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Kleiner Planet, große Angst: Little Big Planet und die Frage der Vertragsgestaltung
Dass Sony das Spiel "Little Big Planet" wegen Koranversen im Soundtrack zurück gerufen hat, ging quer durch alle Medien. Für Sony wird die Sache teuer. Da dürfte der Gedanke nahe liegen, einen schuldigen zu suchen, beispielsweise den Entwickler Media Molecule - oder wer auch immer für den Soundtrack verantwortlich war.
Anwälten kann bei dem Vorfall Angst und Bange werden. Wenn etwas schief läuft, schaut man danach in die Verträge. Ein Fall wie der vorliegende ist aber selten geregelt.
Publisher versuchen sich zwar bei allen, die etwas zum Spiel beitragen, abzusichern: Entwickler und andere dienstbare Geister müssen regelmäßig versichern, dass ihre Arbeiten keine Gesetze oder Rechte Dritter verletzen. Wer als Publisher gut beraten ist, hat auch spätestens aus "Hot Coffee" Konsequenzen gezogen und eine Jugendschutzklausel eingeführt. Die Koranverse verstoßen nun aber nicht unbedingt gegen Rechte Dritter. Die fraglichen Textpassagen (laut Heise Online "Jede Seele sollte den Geschmack des Todes haben" und "Alles, was auf der Erde ist, wird untergehen") werden auch weder jugendgefährdend noch gesetzeswidrig sein; auch die Bibel enthält ähnlich deftige Passagen, beispielsweise in der Apokalypse. Und Vertragsklauseln wie die, dass das Spiel "auch sonst nicht geeignet ist, die Interessen des Publishers zu verletzen" werden von Vertragspartnern meist wenig geschätzt. Klauseln, die direkt oder indirekt religiöse Inhalte verbieten, findet man manchmal in Nutzungsbedingungen für Webseiten, die user generated content zulassen, aber selten in Entwicklungsverträgen. Bei Verträgen, die deutschem Recht unterliegen, kann man immerhin diskutieren, ob derartige Inhalte nicht auch ohne ausdrückliche Vereinbarung unzulässig sind, darüber lässt sich aber sicher trefflich streiten. In Amerika, wo traditionell versucht wird, jeden denkbaren Einzelfall zu regeln, weil es an einem kodifizierten allgemeinen Rechtssystem fehlt, wird nun hektische Betriebsamkeit ausbrechen. Es gilt, schützende, aber dennoch politisch korrekte Standardklauseln zu entwickeln. Das wird auch nicht leichter sein, als ein Kamel durch ein Nadelöhr zu bringen...
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